Trachtenverein Waldkirchen
Presseberichte

„Waldlerbuam“ pflegen seit 90 Jahren das Brauchtum

Geschrieben von pnp – 25.06.2015

Am 27. Juni feiert der Trachtenverein sein Jubiläum – Ein Blick zurück in die Vereinshistorie, in der viele herausragende Fest begangen worden sind.

Nur eine der Aufgaben, die sich die „Waldlerbuam“ selbst gestellt haben: der Erhalt kirchlicher Relikte. Zum heurigen Geburtstag sanierte man das Oberhöhenstettener Kreuz und einen Martel, die bei einer Maiandacht saniert präsentiert wurden.

Waldkirchen. Ein großes Fest steht dem Trachtenverein „Waldlerbuam“ am kommenden Wochenende bevor. Der alteingesessene Waldkirchner Verein wird heuer 90 Jahre alt. Gefeiert wird das am Samstag, 27. Juni, am Erlauzwieseler See. Aber vorher lohnt noch der Blick zurück in die Vereinsgeschichte: Im Jahre 1925 fassten beherzte Männer im Ortsteil Richardsreut den Entschluss, einen Trachtenverein zu gründen. Maßgeblich Mitwirkende waren Alois Garhammer, Johann Süß, Xaver Lichtenauer, Heinrich Schüll und August Maier, der mit großer Ausdauer die Ausbildung des Vereins übernahm. Schon nach kurzer Zeit konnten die Trachtler bei verschiedenen Anlässen ihre Tanzdarbietungen vorführen. Mit 23 Mitgliedern war der junge Verein damals noch klein, aber Jahr für Jahr fand er mehr Anhänger unter derBevölkerung. In den Anfangsjahren übte der Vorplattler Gustl Maier mit seinen „Lehrlingen“ in Scheunen auf Lehmboden, da die Benutzung eines Saales zu teuer gekommen wäre und in den Gaststuben das Gepolter beim Plattln doch nicht jedermanns Sache war. Die ersten Aufzeichnungen in Wort und Bild gibt es aus dem Jahr 1932 – das Kassenbuch des Vereins ist noch vorhanden. Daraus geht hervor, dass der Mitgliedsbeitrag 50 Pfennig betrug, aber noch im gleichen Jahr auf 25 Pfennig reduziert wurde. Neben den Monatsbeiträgen waren verschiedene Veranstaltungen die Haupteinnahmequelle des Vereins. So wurden regelmäßig Tänze bei Festen, Feiern und anderen Anlässen vorgeführt. Nach dem Krieg der große Aufschwung Nachdem 1938 alle Vereine unter dem nationalsozialistischen Regime aufgelöst und parteilichen Verbänden zugeordnet wurden, kam das Vereinsleben fast völlig zum Erliegen. Der Krieg und alle damit verbundenen Auswirkungen ließen jedes lustige Leben einschlafen. Nach Kriegsende war das Vereinsleben jedoch wieder sehr aktiv – so feierte man 1950 das 25-jährige Gründungsfest, verbunden mit der Weihe der ersten Vereinsfahne, ausgiebig. Die damalige Fahnenmutter Theresia Detter und ihre Ehrenjungfern opferten viele Arbeitsstunden, um dieses Fest, bei dem auch das 1. Gautrachtenfest ausgerichtet wurde, zu einem großen Erfolg werden zu lassen. Die 60er-Jahre brachten einen regen Aufschwung in das Vereinsleben. Der einsetzende Fremdenverkehr trug dazu bei, dass der Verein sein Können weit über die Region hinaus unter Beweis stellen konnte und die dadurch steigenden Einnahmen wurden oft als Spende für gemeinnützige Zwecke verwendet. Ein kultureller Höhepunkt dieser Zeit war eine sechstägige Reise nach Rom, zu der die Vereinigung deutsch-italienische Freundschaft eingeladen hatte. Täglich standen Auftritte auf dem Programm, aber nebenbei blieb noch genügend Zeit, um Rom zu besichtigen, an einem Gottesdienst mit dem Papst teilzunehmen und in Verona und Florenz Halt zumachen. Ein herausragendes Ereignis in der Vereinsgeschichte war auch die Ausrichtung des Kreis-, Musik und Trachtenfestes in Waldkirchen 1972. Nur drei Jahre später wurde eines der größten Feste in der Vereinsgeschichte anlässlich des 50-jährigen Bestehens begangen. Verbunden mit dem Gautrachtenfest kamen zu dieser Veranstaltung zahlreiche Vereine nach Waldkirchen. Der Festzug bot ein beeindruckendes Bild auf dem Marktplatz. Der Wahlspruch der „Waldlerbuam“– „Getreu dem guten alten Brauch“ – bezieht sich nicht nur auf die Pflege der Trachten und Tänze, sondern auch auf den Erhalt und die Instandsetzung kirchlicher Gegenstände. 1979 wurde daher die Figur des heiligen Antonius an der Stadtpfarrkirche Waldkirchen mit Hilfe der Trachtler einer gründlichen Restaurierung unterzogen. Auch das 75-jährige Bestehen im Jahre 2000 begann mit der Einweihung eines Marterls in Oberhöhenstetten, sowie einer Trachtenpuppenausstellung von Franziska Rettenbacher im Waldkirchner Bürgerhaus. Tags darauf schloss sich ein Heimatabend unter dem Motto „Brauchtum rund um Waldkirchen“ an. Neben den beiden Patenvereinen aus Witzmannsberg und Jacking wirkten der Jubelverein, die Trachtenvereine aus Ratzing und Erlauzwiesel sowie die Tanz- und Plattlergruppen des Dreiflüssegaues Passau mit. Die Brauchtumsveranstaltung fand großen Anklang bei der Bevölkerung und Besuchern.

Zum 90-Jährigen wieder Aufgabe gestellt:
Der Trachtenverein hat sich daher wieder eine Aufgabe zum diesjährigen Jubelfest gestellt. So wurde das im Jahr 2000 eingeweihte Marterl in Oberhöhenstetten abgebaut und an die Restauratorin Martha Hendrykovski zur Reparatur und Neubemalung übergeben. Einige Vereinsmitglieder machten sich anschließend auf den Weg, um den stark verwitterten Granitsockel des Wegkreuzes vom Gestrüpp zu befreien und durch Sandstrahlarbeiten zu reinigen. In einer, von der Trachtenjugend gestalteten festlichen Maiandacht – mit erfreulich großer Beteiligung der Bevölkerung und der Patenvereine – wurde das im neuem Glan stehende, religiöse Kleindenkmal geweiht. Den Segen spendete der Waldkirchner Stadtpfarrer Bruno Pöppel.

Das allererste Foto des Trachtenvereins stammt aus dem Jahre 1937. Kurz bevor der Verein durch das nationalsozialistische Regime aufgelöst wurde.

Das Jubiläumsfest des Waldkirchner Trachtenvereins findet nun am Samstag, 27. Juni, an der Seebühne Erlauzwiesel statt. Neben den geladenen einheimischen Vereinen und den Patenvereinen ist auch die Bevölkerung eingeladen. Um 17 Uhr wird ein Festzug durch den Ort zur Seebühne stattfinden. Nach dem folgenden Gottesdienst lässt ein Heimatabend mit Musik und Tanz den Tag ausklingen.

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